Werbung in der Provinz: Arnold Design, Uerikon

Virtuelle Weltverbesserer vom Zürichsee

Net-Surfer, die die neue WWW-Site der TA-Media AG be­suchen, sind mitten im gestalterischen Universum von Arnold Design gelandet. Das Studio für visuelle Kom­munikation in Uerikon entwirft nicht nur intelligente in­teraktive Applikationen, sondern praktiziert ihren funktionalen Gestaltungsansatz auch im Bereich mannig­faltiger und prächtig anzusehender Informationsmittel.

persönlich, 12. April 1996

Von Markus Zürcher

Im funktional eingerichteten Ate­lier in der alten Gerberei in Ueri­kon am Zürichsee herrscht nahezu klösterliche Ruhe. Nur das Sum­men der Computer erinnert daran, dass hier die Energien wohl eher im Dienste von profanem denn himmlischem Streben stehen.

Auf drei Etagen arbeitet hier das fünfköpfige Team von Arnold De­sign. Der Computer ist für die Ueriker Gestalter zu einem unerlässlichen Arbeitsinstrument ge­worden, das einen ebenso befreien­den wie fesselnden Experimentier­raum schafft. Die Rechner machen das Gestalten prozesshafter, da ein Auftrag praktisch ohne Unterbre­chung von A bis Z am Bildschirm entsteht.

Der Inhaber des Designstudios, Urs Arnold, vertritt den Stand­punkt, dass man im Bereich der computerisierten Arbeitsmittel nicht sparen sollte. Allein für Software-up-dates gibt Arnold jährlich über 40 000 Franken aus.

Gestaltung als Gravitationszentrum
Urs Arnold war eins – nach grafi­scher Ausbildung und drei Wan­derjahren, in denen er auch als Küchengehilfe im noblen Skiort Squaw Valley tätig war – Art Di­rector bei der legendären WDW in Küsnacht. 1978 gründete er mit seinem Partner die Agentur Zutt & Arnold, in der er als Crea­tive Director wirkte. Doch das steigende Unbehagen, zuviel mit Verwaltungsaufgaben belastet und zuwenig mit der eigentlichen Krea­tion beschäftigt zu sein, bewog ihn, 1989 ein eigenes Studio zu gründen und sich fortan ausschliesslich der visuellen Kommunikation zu wid­men.

Heute zählen vier Mitarbeite­rinnen und Mitarbeiter zum Team: Karin Bolliger, Barbara Erb, Lukas Huggenberg und die Lehr­tochter Esther Rieser. Noch sind sie einfache Angestellte, doch ein Beteiligungsmodell steht offenbar kurz vor der Einführung.

Arnold Design rückt die Gestal­tung und die gestalterische Bera­tung in den Mittelpunkt und nimmt deutlich Abstand davon, klassische Werbebudgets zu ver­walten. Das Atelier beschäftigt kei­ne Sekretärin: Jede Grafikerin, je­der Grafiker verwaltet seine Pro­jekte selbst. Die Administration läuft auf dem PC.

Die flache Hierarchie entspringt der Absicht, effizient und kosten­bewusst arbeiten zu können. Sie ist aber auch Ausdruck einer Nüch­ternheit und angenehm berühren­den Bescheidenheit des Inhabers, der darauf verzichtet, im «Atelier mit Äusserlichkeiten zu klotzen».

Urs Arnold startete sein neues Projekt mit einem interessanten und zugleich lehrreichen Auftrag: der Gestaltung des ausschliesslich digital hergestellten Magazins «MacWorld», das er während rund vier Jahren weiterentwickelte. Die­ses Mandat erlaubte einen kontinu­ierlichen Aufbau des Teams und erschloss darüber hinaus viel wert­volles Produktions-Know-how.

Es ist für Arnold Design heute schon beinahe eine Selbstverständ­lichkeit, sämtliche Möglichkeiten elektronischer Kommunikation und auch Produktion intelligent zu nutzen und Verknüpfungen zwischen virtuellen Daten und Print herzustellen. Zunehmende Bedeu­tung kommt ökologischen Zusam­menhängen zu. «Bei jedem Projekt suchen wir nach dem ökologisch sinnvollsten Einsatz von Papier, Ausrüstungsmodus und Druck oder nach geeigneten Substitu­tionsmedien», sagt Arnold.

Ein Blick in die Arbeitsproben des Ateliers belegt, dass sich Ar­nold Design tatsächlich hoher in­haltlicher und gestalterischer Qua­lität verpflichtet fühlt. Seine Ar­beitseinstellung umschreibt Lukas Huggenberg, ehemaliger Pharma­ziestudent und ausgebildeter Pro­duktgestalter HfG, wie folgt: «Ge­staltung ist kein Nine-to-five-Job, sondern ein Prozess, der sich bis­weilen auch in der Freizeit oder so­gar in den Träumen fortsetzt.»

Grosse Neugierde, Aufmerk­samkeit und «etwas Weltverbesse­risches» zeichnen einen guten Ge­stalter aus, glaubt Huggenberg. Und: «Gute Gestaltung muss funktionieren; sie soll die Botschaft unterstützen und verkaufen helfen – oder dem Betrachter schlicht Spass und Freude bereiten.» Das Anspruchsvollste im Gestaltungs­prozess sei jeweils das Weglassen, die Reduktion.

In der dezent-stilsicher reno­vierten «Gerbi» in Uerikon entste­hen visuelle Erscheinungsbilder, AV-Medien, Infosysteme, Ausstel­lungen, Packungen, Zeitschriften und auch Web-Sites. In der Ent­wicklung und Gestaltung von in­teraktiven Applikationen verfügt Arnold Design über reiche Erfah­rung. So hat das Studio etwa den Internet-Auftritt der TA-Media AG und die Web-Pages des «Ta­ges-Anzeigers» gestaltet.

Geschwindigkeit ist im Netz al­les. Da die Web-Pages meist über mehrere Dimensionen verfügen, die über entsprechende Buttons oder Links aufgerufen werden, muss eine einprägsame, benutzer­konforme gestalterische Struktur und Hierarchie aufgebaut werden. Lukas Huggenberg betont, dass die Web-Seiten auch ergonomischen Kriterien genügen müssen. Er ver­wendet den Begriff «visuelle Ergo­nomie», der unter anderem enthal­te, dass die Buttons im richtigen Abstand angebracht sein müssten und die plastischen Elemente auf der Seitenoberfläche klare Ent­scheide ermöglichen sollten.

Stilsicher: Internet-Auftritt für die TA­ Media AG.


Enge und unkomplizierte Zusammenarbeit
Die Grafiker aus Uerikon legen Wert auf eine enge und unkompli­zierte Zusammenarbeit mit den Kunden. Dies schaffe erst den nöti­gen Rahmen, um Ideen und Pro­jekte entwickeln zu können. Ab und zu übernehmen sie auch Ge­staltungsaufträge von Agenturen.

Gut eingespielt ist etwa die Zu­sammenarbeit mit der PR-Agentur cR Kommunikation in Zürich: Ar­nold Design gestaltet die Kunden­zeitschrift von Kieser, dem umtrie­bigen Krafttrainings-Apologeten, sowie verschiedene Telecom-Wer­bemittel. Klassische Werbemittel und Promotionen hat Arnold auch für die Mandanten der Grünbaum Marketing und Kommunikation, Zürich, realisiert.

Mitunter fällt dabei sogar ein schöner Preis ab: Die Gestaltung der Inserate für die Schuhfabrik Elgg wurde vom ADC mit Bronze ausgezeichnet. Diese augenfällige NZZ-Kampagne entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Haus­texter «Mikosch» alias Andreas Prokesch- ein Freund von Arnold aus den guten alten WDW-Zeiten.

Elgg-Schuh-lnserate: Mit Bronce aus­gezeichnet. .


Ebenfalls zu ADC-Weihen kam die interaktive Applikation «Ge­schichtswerkstatt», die Arnold De­sign für das Forum der Schweizer Geschichte in Schwyz entwickelte. An drei interaktiven Computersta­tionen kann man Einblick in die Arbeit des Historikers gewinnen.

Zu Beginn dieses grossangeleg­ten Projektes wirkte noch Yves Sa­blonier mit. Doch gegenwärtig lie­gen die Ausführungsarbeiten ganz bei Arnold Design. Zurzeit wird an den drei Infopoints für die Ausstellung gearbeitet, die das Leben der Schweizer Bevölkerung zwischen 1300 und 1800 thematisiert.

Diese Arbeiten erweisen sich als sehr aufwendig, nicht zuletzt des­halb, weil es um höchst konzen­trierte Inhalte geht. Allein im Info­point über das Thema Ernährung stecken über 1500 Stunden Arbeit. Damit lässt sich beispielsweise bestimmen, welches Tagesmenü am 1. September 1699 bei einer Bauernfamilie oder beim Bischof auf den Tisch gekommen war.

Als nächstes werden Infopoints zur Klimageschichte und zur de­mografischen Entwicklung entste­hen – wiederum in enger Zusam­menarbeit mit Historikern, die den Input liefern, und mit Program­mierern, die die Touch-Screen-An­wendungen für die Computersta­tionen umsetzen. Die Benutzerbe­dürfnisse stehen dabei im Vorder­grund: Das Forum der Schweizer Geschichte richtet sich an ein vielschichtiges Publikum und legt ein besonderes Augenmerk auf Schüler. Die schnörkellose Gestal­tung der Oberfläche vermeidet jede Ablenkung durch technische Details. Die interaktive Gestaltung der Computerstationen ermöglicht ein konzentriertes Arbeiten in in­dividuellem Tempo. Jeder Besu­cher kann zudem sein eigenes, in­dividuelles Begleitheft ausdrucken.

Modernes Zeigen alter Geschichten: Interaktive Applikation für Schwyzer Forum.


Für die Produkte des Bio-Nah­rungsmittelproduzenten Morga entwickelte die Grafikerin Karin Bolliger verschiedene Packungsge­staltungen. Dabei defninierte sie keine Brand-Identity für die ge­samte Produktepalette der Morga, sondern stelhe die Anmutungsprofile der einzelnen Produktegrup­pen in den Vordergrund. Müesli, Tee und Konfitüren treten nicht im selben Kleid auf.

Die Arbeiten von Arnold De­sign wirken auf den Betrachter se­riös, durchdacht, anwendergerecht und bisweilen unspektakulär. Funktionale Gestaltung eben, bei der Kopf und Bauch in einem aus­gewogenen Verhältnis zueinander stehen.

Aber aufgepasst: Man sollte das anarchische Potential der Grafiker am Zürichsee nicht unterschätzen. Für die Kunden von Canon Schweiz (Walter Rentsch AG) pro­duzierten sie zum 1. August 1994 per Farbkopierer Tischsets mit stark ironischem Unterton. Ein Su­jet löste besonders heftiges freund­eidgenössisches Raunen aus: Es zeigte ein paar Militärsocken, schweizerkreuzweise angelegt. «Gauch‘, gauch‘, gauch‘, droit, gauch‘! En avant toujours chan­tant!» Es musste so kommen: Der Kunde bekam ob der Socken kalte Füsse. Und Arnold Design verlor das Vertrauen und das Budget des patriotisch gesinnten Kunden.

Urs Arnold
Seidenparkwed 7
CH–8712 Stäfa
Switzerland

mail@arnoldurs.ch
+41 79 428 69 56

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